Kolonialzeit

Nach der Errichtung des Hafens und der Eisenbahnlinie fungierte Swakopmund quasi als Eingangstor für Auswanderer nach Deutsch-Südwest. Trotzdem war es nicht einfach, Fracht und Passagiere an Land zu transportieren.

Landung mit Booten, 1905

Landung mit Booten, 1905

Leuchtturm in der Kolonialzeit

Leuchtturm in der Kolonialzeit, coloriert

Die Küstengewässer in der Gegend sind sehr flach und der Hafen versandete schnell. Die Schiffsladungen mussten draußen bei rauer See gelöscht werden. Die Küste in der Gegend von Swakopmund wird auch Skelettküste genannt. Die starke Brandung und der häufige Nebel machten das Anlegen schwierig und die Fahrt an Land sehr gefährlich. Sogenannte „Kruboys“ steuerten die Ruderboote, in denen Ladung und Passagiere an Land gebracht wurden. Bei den Kruleuten handelte es sich in der Regel um junge Männer aus Liberia, die unterwegs an Bord genommen wurden. Berichten zufolge sollen bis zu 600 Liberianer für einen Hungerlohn für die Reederei Woermann gearbeitet haben. Später wurden die Kruleute wieder in ihrer Heimat abgesetzt.

Woermannhaus mit Damaraturm

Woermannhaus mit Damaraturm

Staatsbahnhof während der Kolonialzeit

Staatsbahnhof während der Kolonialzeit

Swakopmund wurde zentraler Ort für die Versorgung der deutschen Siedler und Schutztruppen in Deutsch Südwest. Aufgrund der Lage und der guten Anbindung hatten ebenso viele Behörden ihren Sitz in Swakopmund wie Handelsniederlassungen unterschiedlichster Art. Während des Ersten Weltkrieges kam es zu einer Verlagerung der Arbeiten ins nahegelegene Walvis Bay, in deren Folge viele Einwohner aus Swakopmund fortzogen.

Deutscher Einfluss in Swakopmund

Kaum eine andere Stadt in Namibia hat so viele deutsche Einflüsse wie Swakopmund. Rund fünf Prozent der Einwohner sind deutscher Abstammung und viele leben hier in zweiter oder dritter Generation. Obwohl inzwischen viele Straßen afrikanische Namen erhalten haben, bleibt der deutsche Einfluss unverkennbar.

Altes Amtsgericht

Altes Amtsgericht

Architektur und die regionale Küche erinnern so manchen Urlauber an die Heimat. Es gibt Hotels und Pensionen die deutsche Namen tragen und die Fachwerkhäuser dokumentieren die deutsche Vergangenheit. Bei einem Besuch in einer Bäckerei treffen Kunden auf Schwarzbrot, Pumpernickel oder Brötchen. Und stellt sich der Appetit auf Eisbein mit Sauerkraut oder Käsetorte ein, so stellt das in Swakopmund kein Problem dar. Bis 2005 braute die Hansa-Brauerei im Ort sogar Bier. Das Bier wird in Namibia nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, besonders beliebt ist das „Windhoek Lager“.

Seit 2002 hat die Regierung entschieden, einige Straßen umzubenennen und ihnen afrikanische Namen zu geben. Die Haupteinkaufsstraße San Nujoma Avenue hieß einst Kaiser-Wilhelm-Straße, insgesamt wurden 14 Straßen umbenannt. In der Bevölkerung sorgte das Vorhaben der namibischen Regierung für Kontroversen und gerade die deutschstämmigen Einwohner hatten wenig Verständnis.